Sunday you need love – Monday be alone

Juli 31, 2007 at 8:52 pm (Blogroll)

Am Samstag hatte ich das Vergnügen, einem der seltenen Konzerte von „Die Fahrt von Holzminden nach Oldenburg“ beizuwohnen. Jedem ist natürlich klar, worum es da geht. Für die anderen: es ist eine Trio-Cover-Band. Und für die ganz anderen: Trio waren die mit dem „Da, Da, Da“, wobei das Lied ja eigentlich „Da Da Da ich lieb Dich nicht Du liebst mich nicht aha aha aha“ heisst.

Der Auftritt war Trio-würdig und brachte mich unweigerlich dazu, mir das immer noch geniale Erstlingswerk der Band anzuhören („Trio“). Auch fand ich in einer Kiste einen Trio-Live-Mitschnitt aus dem Jahr 1981 im „Onkel Pö“ in Hamburg. ’81 war vieles noch nicht klar: wie soll es weitergehen mit der populären Musik in diesem Land? Wollen jetzt wirklich alle diese „Neue Deutsche Welle“, die langsam populärer wurde?

Genau das Problem hatten auch Trio während des Onkel-Pö-Autritts: man spricht zwischen den Songs von „Neuer Deutscher Tanzmusik“, der Begriff „NDW“ wird gescheut. Musikalisch hört man die Punk-Wurzeln ganz klar, die minimalistischen Texte werden lässigst dargeboten, das Publikum ist vornehm zurückhaltend. Ist es Fisch oder Fleisch? Stephan Remmler bemerkt passend: „Alle stehen da und gucken.“

Ein Jahr später, nachdem Trio zu Gast bei Dieter Thomas Heck waren, wurde es dann allen klar: es ist kein Fisch, kein Fleisch, keine Neue Deutsche Tanzmusik, sondern es ist diese dümmliche NDW. Anschließend trieben es auch Trio NDW-angepasst weiter; man erinnere sich an „Anna, lass mich rein, lass mich raus“. Geäussert haben sie sich damals nie; fast die Hälfte des Trios saß auch dann irgendwann im Knast und vorbei war’s. Was die Kerle heute so machen, weiß man auch nicht genau. Auf der Trio-Homepage steht: „Autogrammwünsche können derzeit leider nur von Stephan Remmler erfüllt werden. Autogramme von Kralle oder Peter sind leider nicht möglich.“

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Der Zócalo von Dachau

Juli 26, 2007 at 5:14 pm (Blogroll)

Ich muss Euch enttäuschen.

An dieser Stelle kein Bericht über das gestrige Konzert der Band Calexico in Dachau.
Viel zu gefährlich; blamieren soll sich bitte die Presse. Nur soviel: diese Band hat ihren Weg vor einiger Zeit gefunden und wird ihn weiter gehen. Ohne Gnade. Eines ist aber genauso sicher: als Meilenstein wird der Auftritt nicht in die Musikgeschichte eingehen. Denn wie unglamourös und dämlich klingt denn bitte „Calexico auf dem historischen Rathausplatz in Dachau“?

Denke ich an Meilensteine, so fallen mir ein: The Who in der Leeds University, The Clash auf dem Jamaica World Music Festival, die Cramps im Napa State Mental Hospital, Ton Steine Scherben im Audimax der TU Berlin, Jimi Hendrix auf dem Monterey Festival, Grateful Dead im Fillmore East und natürlich Johnny Cash im Folsom Prison.

Dass die Cramps in der Irrenanstalt spielten, Ton Steine Scherben im verkifften Audimax, irgendwie passt das nahezu märchenhaft zusammen. Ist der Ort der Darbietung unmittelbar mit dem Künstler in Zusammenhang zu bringen? Und wenn ja, wo würden Calexico ihren legendärsten aller Auftritte absolvieren? Vielleicht auf dem Zócalo in Mexicali, wo tagsüber die Grenzschmuggler ihrer Arbeit nachgehen?

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Liegt in Puch eine Zukunft?

Juli 23, 2007 at 5:21 pm (Blogroll)

Puch am letzten Samstag. Auch in diesem Jahr hat der Bauer die Wiese am Hang zur Verfügung gestellt. Die Bühne steht im Waldrand, das Klo neben dem Schweinestall. Die Fehlfarben waren angekündigt und spielten auch. Spät, gegen halb zwei in der Nacht – die Wiese hatte sich mittlerweile in ein Schlammfeld gewandelt. Regen. Dauerregen.

 Bild dir ein du bist Lotse und hältst das Steuer
 mitten im Ozean spielst du mit dem Feuer
 Sprich fremde Sprachen im eigenen Land
 Zerstreu alle Zweifel an deinem Verstand

 (Fehlfarben – Rhein in Flammen, 2002)

Peter Hein muss nicht viel tun; er muss nur dastehen, vor dem Mikro und es ist so einfach für ihn, den Ms John Sodas, den Hidden Cameras, den Monostars und zudem der anwesenden Dorfbevölkerung klarzumachen, was er will, wie’s geht, wie man’s macht.

 – wer spielt denn da jetzt?
 – die fehl…farben, die machen so punk, so
 – ah, so mit bunten haaren?
 – nee, ich weiß nich, eher nich
 – hm
 – die sind echt gut
 – ah, wo kommen die her? aus london?
 – weiß nich, so aus berlin oder so
 – und wie lange gibt’s die schon?
 – so zwei jahre, aber die sind echt gut.
 – danke
 – ja, kann sein, dass die mal früher bunte haare hatten. aber die sind gut, echt.
 
Die Fehlfarben, Punklegenden aus Düsseldorf. Bunte Haare hatten sie nie, spielen seit 1979, haben Nachfolger geprägt, unter der NDW gelitten („Es geht voran“), sich darum aufgelöst, bei Xerox gearbeitet und vor wenigen Jahren wieder zusammengefunden. Ihre letzte Platte „Handbuch für die Welt“ bekam manch schlechte Kritik. Es wäre vorbei, schreibt man, es wäre nicht mehr ’79; Wackersdorf wäre auch weg und die Startbahn-West sowieso. Und außerdem läge die Zukunft der Musik woanders.

 Rund um die Uhr
 Weiß jeder wo jeder ist
 Keine Sekunde in der du unerreichbar bist

 Ununterbrochen fällt es über mich her
 Ich kann nicht mehr
 Ich kann nicht mehr

 Das Handbuch für die Welt
 Das hat bei mir gefehlt
 Das Handbuch für die Welt
 Das hab ich nachbestellt

 (Fehlfarben – Handbuch für die Welt, 2007)

Gegen drei sind auch die Fehlfarben nass: der letzte Song schleicht aus den Lautsprechern. Schnell hinter die Bühne, man will ja seine „Monarchie und Alltag“ signiert haben, von Peter Hein, dem legendären Janie J. Jones.

 – hallo peter, klasse konzert.
 – oh, danke, ja, nass
 – sag mal, du signierst mir bestimmt schnell ne platte
 – hastn stift?
 – ja klar, hier, nimm den kuli
 – hm, der schreibt nicht, der ist nass, oder liegt das an der beschichtung?
 – das ist die neuauflage, die ist so beschichtet. hier, der schreibt
 – ja, die gabs ja nie so richtig im original, früher war alles besser, der stift schreibt
 – oh, super
 – nee, der schreibt doch nicht, irgendwie, die beschichtung, mann, nass alles hier
 – ich hab hier noch einen, probier den mal
 – eh, ich kratz die dir hülle kaputt, ich kann das jetzt so eingravieren in die beschichtung
 – der sollte aber schreiben, oder ist der auch nass?
 – ja, scheiss wetter, du, das geht jetzt nicht so, haste n edding
 – nee
 – na, junge, dann lass uns das das nächste mal machen, wir sind bald wieder da
 – ohh, ja, gut dann beim nächsten mal, ich bring dann nen edding mit
 – ja, mach mal, bis dann. mensch, hier ist alles nass, wir gehen unter.
 
Die Rückfahrt in die große Stadt. Durch den Wald, durch Dörfer, an den Äckern vorbei.
„Meinst Du, die Zukunft der Musik liegt in Puch? Nachts um halb zwei, direkt neben dem Schweinestall?“, frage ich meinen Nebenmann.

 Die Zukunft wird auch nicht bewältigt
 der Kopf ist größer als der Hut
 ich weiß nicht mehr woher der Wind weht
 ganz egal was im Wetterbericht steht

 (Fehlfarben – Hier und Jetzt, 1980)

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